verfaßt von Timbatuku, 27.02.2026, 11:06:07
> Strukturwandel: Ab 2004 wurde durch das GKV-Modernisierungsgesetz das
> Mehrbesitzverbot gelockert, was zur Entstehung von Filialapotheken führte.
> Während die Zahl der Hauptapotheken sank, stieg die Zahl der Filialen (von
> 1.228 im Jahr 2005 auf deutlich höhere Werte in den Folgejahren).
Aha! Ich frage dich mal, weil du tiefer im Thema bist als ich: Werden bei der Zählung Hauptapotheke und Filialapotheke als eine Einheit gezählt oder zählt jede Filiale als eigenständige Apotheke? Weil wenn nur die Hauptapotheken gezählt werden, dann ist das "Apothekensterben" gar nicht so groß wie behauptet. Dann haben wir nämlich eine ähnliche Situation wie bei den Bäckereien, wo eine Hand voll Großbäckereien 50 und mehr Filialen betreibt und gleichzeitig beklagt wird, dass immer mehr kleine Handwerksbäckereien aufgeben. Das ist aber nur logisch, wenn die Leute in den Filialen der Großbäcker kaufen. Man braucht nur ein Brot, dann ist man satt. Außer man will Enten füttern.
> Trendwende: Seit dem Peak um das Jahr 2009 sinkt die Zahl der
> Betriebsstätten kontinuierlich und beschleunigt. Bis heute (Stand Anfang
> 2026) ist die Zahl auf ein Rekordtief von nur noch 16.601 Apotheken
> gefallen.
Und dazu noch eins: Die reine Anzahl ist nicht so wichtig, solange die Versorgung sichergestellt ist. Ich meine, das ist sie immer noch. Wir hatten zum Zeitpunkt der größten Anzahl Apotheken sehr wahrscheinlich ein Überangebot. Das wurde abgebaut. Ich kann hier unmöglich für das ganze Land sprechen, dafür komme ich zu wenig herum, aber hier in meiner Region (Bevölkerungsdichte entspricht in etwa dem Bundesdurchschnitt) ist die Versorgung durch Apotheken so gut, dass selbst ein Rückgang von 10 bis 20 Prozent keine Probleme bereiten würde. Ich schrieb das schon mal. In dünner besiedelten Regionen, ich danke da an Ostfriesland, Oberbayern oder weite Landstriche im Osten, da mag es natürlich ganz anders aussehen.
> Interessieren dich die Gründe für den starken Rückgang in den letzten
> Jahren oder suchst du Daten für ein bestimmtes Bundesland?
Grundsätzlich interessieren mich die Gründe schon. Allerdings würde ich neutralen seriösen Quellen wie dem Statistischen Bundesamt eher trauen. Beim ABDA steckt da möglicherweise eine gehörige Portion Lobbyismus drin. Medienberichte zu Apothekenschließungen haben bei mir den Eindruck hinterlassen, dass die allermeisten mangels Nachfolge schließen und nicht aus wirtschaftlichen Gründen.
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