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#477604 Spekulationen und ihr Nutzen (ot.politik)

verfaßt von baeuchlein, 25.01.2026, 20:28:33

> Ein Forscher denkt über
> Alternativen nach. Seine Ideen sind erstmal ohne Nutzen, da niemand weiß,
> ob sie funktionieren. Selbst der Forscher weiß das noch nicht. Als
> nächstes kommt das Experiment oder von mir aus auch gleich der
> Praxiseinsatz mit den entsprechenden Risiken.

Dieser zweite Schritt kommt nur, wenn der Forscher überhaupt den ersten gemacht hat, nämlich Alternativen zu bedenken. Und das ist der Nutzen. Als einer, der mal Forscher werden wollte, weiß ich das schon länger. Haben viele andere im Studium damals aber auch nicht begriffen.

> Dabei zeigt sich, ob es
> funktioniert. Erst das bringt den Lerneffekt, den Nutzen. Vielleicht sogar
> einen Nutzen für die gesamte Menschheit. Wenn es nicht funktioniert, lernt
> man nichts daraus. außer eben, dass es nicht funktioniert.

Und genau das ist ein viel, viel größerer Nutzen, als viele Leute glauben. "Geht nicht" ist eine sehr wichtige Erkenntnis, genauso wie "wir wissen es nicht" eine sehr bedeutsame Aussage sein kann. Es schließt eben etwas aus, was nicht sein kann, bzw. sagt aus, dass noch mehr Forschungsbedarf besteht. Doch weil man mit solchen Erkenntnissen/Aussagen meistens nicht viel Geld verdienen kann, halten das viele für wertlos - und auch das führt dazu, dass manche Leute noch den kleinsten Furz als bedeutsamste Entdeckung des Jahrhunderts zu verkaufen versuchen, denn nur was (Forschungs-)Geld bringt, ist nach Ansichten vieler (insbesondere Kapitalisten) was Wertvolles. Für die Forschung ist das aber ein großes Problem.

> > Wenn du beim Autofahren nicht drüber nachdenkst, was hinter der
> nächsten
> > Kurve sein könnte, fährst du wahrscheinlich weniger sicher als
> > einer, der darüber nachdenkt.
>
> Schlechtes Beispiel. Es gibt dafür längst eine Regel, die besagt, dass
> man seine Geschwindigkeit so einzurichten hat, dass man immer innerhalb des
> Sichtfelds anhalten kann. Das lernt man in der Fahrschule. Wenn man sich
> daran hält, muss man über den Bereich hinter der Kurve nicht mehr
> nachdenken.

Das ist gefährlicher Quatsch.

Wir haben in der Fahrschule gelernt, dass man am Besten in der Hälfte der Sichtweite anhalten können sollte, wenn es Gegenverkehr geben könnte. Nur auf Autobahnen "gilt" das mit der vollen Sichtweite.

In der Realität ist das aber nicht gut anwendbar, wie ich schon zweimal feststellen konnte. Im Dezember 2010 fuhr ich mal mit 30 km/h voran, als 100-200 m vor mir ein Bus anhielt. Kein Problem, sollte man meinen, denn laut Fahrschule kann man mit Schrecksekunde & Co. noch bei 50 km/h in 40 m anhalten, das hätte also reichen sollen. Bloß gab's da absolut nicht sichtbares Glatteis. Ich hatte keine Chance, den Wagen anzuhalten oder auszuweichen, da gab's so gut wie keine Reaktion. Weil ich aber auch sowas bedacht hatte, war ich 30 statt den erlaubten 50 Sachen gefahren und rutschte nur mit ca. 20 km/h hinten in den Bus 'rein. Außer Blech- bzw. Plastikschaden passierte nicht viel - weil ich eben die Alternative (Glatteis, obwohl ich nix davon sah und obwohl ich auf der ganzen ca. 2 Stunden dauernden Fahrt nichts Derartiges bemerkt hatte) bedacht hatte und deswegen langsamer gefahren war.

Und dann hatte ich erst vor wenigen Wochen eine unangenehme Begegnung, und daher auch meine Idee mit der Kurve. In einer solchigen, welche ich durchquerte, sollte es eigentlich keinen Gegenverkehr gegeben haben, also wäre es wohl möglich gewesen, mit ca. 70 km/h (und der Idee mit der halben Sichtweite zum Anhalten) die Kurve zu fahren - bloß dass mir plötzlich halb auf meiner Seite zwei Scheinwerfer entgegen kamen. Da überholte nämlich so ein unvernünftiger Fahrer einen anderen in einer engen Kurve, wo nur 70 km/h sinnvoll oder erlaubt waren - ich vermute, der Überholende hatte auf jeden Fall mehr als die 70 Sachen drauf. Nur, weil ich erstens den Lichtkegel schon ca. eine Sekunde vorher bemerkt hatte und spekulierte, dass es sich vielleicht auch um einen Überholenden handeln konnte, war ich geistig schon auf die Alternative zur leeren Straße vorbereitet, konnte schnell rechts hingucken und damit erkennen, dass der Radweg dort frei war, um dann dort hin zu fahren und auch noch keinen der Begrenzungspfosten mitzunehmen (oder gleich den Vollpfosten, der mir entgegen kam).

Ergebnis: Auto OK, meine Gesundheit auch OK. Find' ich gut.

Stell' nicht immer nur deine eigenen Überlegungen und Meinungen als absolute Tatsachen hin, damit kommt man manchmal nicht weiter im Leben - sondern womöglich gar ums Leben.

 

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