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#477575 Attentöter & Parallelwelten (ot.politik)

verfaßt von baeuchlein, 24.01.2026, 03:11:29

> However, Menschen töten ist Menschen töten. Grundsätzlich fragwürdig.
> Wer keine Verstorbenen wieder zum Leben erwecken kann, sollte mit dem
> Todesurteil nicht so leicht bei der Hand sein.

Ja, dieser Gandalf-Spruch ist in der Tat sehr treffend, ich hab' ihn auch schon das eine oder andere Mal benutzt. Ich plädier' auch nicht wirklich für das Umbringen von Trump oder anderen Leuten in seinem Umfeld. Der Typ und seine Anhänger machen mich nur sowas von sauer, dass ich auch solche sehr fiesen Scherze schon mal bringe. Ich hab' allerdings auch keine ICE-Agenten unter meinem Kommando, die eine Frau abknallen, die sich nicht 180%ig an die Anweisungen gehalten hat, aber deutlich erkennbar nicht vorhatte, den ICE-Agenten zu überfahren. Und ich erzähl' hinterher erst recht nicht so einen Stuß wie Trump & seine Leute mit ihren Fake News. Der Typ und sein "Anhang" haben tatsächlich schon Menschen auf dem Gewissen, nicht zuletzt auch die ca. 40 Venezolaner, die die Gefangennahme Maduros und seiner Frau mit ihrem Leben bezahlt haben.

> Ich hab oft drüber nachgedacht, wie wir heutzutage u. A. die Tat eines
> Georg Elser beurteilen würden, hätte sie zum Erfolg geführt.
> So wie die Geschichte letztendlich lief, sehen wir Elser heutzutage ja als
> jemanden, der das Böse erkannte und beseitigen wollte, ein Teufelskerl,
> ein Held des Widerstands.
> Hätte er es jedoch geschafft, dann [...] würden [wir] ihn heute möglicherweise
> als irren Attentäter sehen, der weiß Gott was alles an positivem
> verhinderte, was der "gute" Führer noch so vor hatte.

Ja, und nicht nur bei ihm ist das so. Ein gewisser Christian von Dithfurth (Bruder der ehemaligen Grünen-Politikerin Jutta von Dithfurth), von Beruf Historiker, hat mal ein Buch geschrieben namens "Der 21. Juli". Gemeint ist der Tag nach dem in der Realität mißglückten Attentat auf Adolf Hitler in dem Hauptquartier "Wolfsschanze" im Jahre 1944. Dieses Buch ist ein fiktiver Roman, der einige Jahrzehnte nach jenem Tag spielt, und zwar in einer "Alternativwelt", wo dieses Attentat funktioniert hat. Von Dithfurth entwirft da eine Zukunft, in der Deutschland durch von Stauffenberg und andere letzten Endes zu einer "Räterepublik" wurde, und nicht etwa zu einer Demokratie, und wo der zweite Weltkrieg noch ein Jahr länger lief und mit dem Abwurf einer deutschen Atombombe auf eine russische Stadt beendet wurde. Jenes fiktive Nach-Hitler-Deutschland hat zwar WW2 auch nicht gewonnen, aber eine wesentlich stärkere Verhandlungsposition am Ende gehabt.

In einem Interview zu diesem Buch erklärte von Dithfurth, dass eben von Stauffenberg und seine Mitstreiter keineswegs die Demokratie ausrufen wollten, sondern diese Art von Republik, die zwar keine Diktatur mehr gewesen wäre, aber auch recht weit von unserer heutigen Vorstellung von Demokratie entfernt gewesen wäre. Der Roman selber ist mir zwar doch etwas zu schleppend voran gekommen und zerfasert am Ende zusehends, aber ich hab' dennoch was übrig für solche "Alternativgeschichten", auch in verschiedener Form (alternative Zeitlinien, Paralleluniversen, ...) aus der Science Fiction bekannt. Manchmal ist es doch ganz interessant und vielleicht lehrreich, sich das "Was wäre gewesen, wenn..." mal genauer auszumalen - auch wenn man sich meistens des Ergebnisses nicht so sicher sein kann, wie viele das wohl glauben.

Fun fact: Dieses Buch ist das einizige, was ich kenne, dessen Druckfarbe sich beim Berühren mit einem nassen Finger nahezu augenblicklich und vollständig vom Papier löst. Habe ich so auch noch nicht gesehen. Keine Ahnung, ob das damit zusammen hängt, dass der Verlag "Grafit" oder "Graphit" heißt.

Ich hoffe mal, dass der Onkel Donald in Amerika es bis zu den "Midterm-Wahlen" in diesem Herbst ausreiched gut "verkackt", dass nicht nur er, sondern auch die Republikaner an sich in ihrem Irrsinn gestoppt werden. Vielleicht lässt sich dann zumindest ein Teil der US-Demokratie wiederherstellen. Das Rad komplett zurückzudrehen ist hingegen aus Sicht eines neulich im Radio interviewten Mannes wesentlich schwieriger (vielleicht sogar unmöglich), als man es derzeit oft annimmt.

Und das sollte uns hier in Schland eine deutliche Warnung sein. In drei Jahren dürften wieder Bundestagsqualen sein, und wenn es hier nicht bald deutliche Veränderungen gibt (die ich bei unserer derzeitigen Regierung und Figuren wie Merz und Söder nicht kommen sehe), dann halte ich es für möglich, dass die AfD dabei in Stimmenanteilen zumindest noch viel näher an die CDU/CSU-Fraktion 'ran kommt als bei der letzten Wahl. Und je beliebter die werden, desto schlimmer - da sollten uns Vorgänge im Thüringer Landtag u.ä. eine Lehre sein, was droht, wenn diese Partei vielleicht mal "tonangebend" in einer Regierung wird.

 

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