verfaßt von Timbatuku, 19.06.2026, 21:00:19
Deine Stellungnahme ist gut begründet. Zum Teil stimme ich dir zu, aber nicht vollständig.
1. Es berührt nicht die Menschenwürde, einem verurteilten Straftäter Freigang zu verweigern. Denn wäre das so, dürfte überhaupt niemand eingesperrt werden. Unsere Verfassung sagt in Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Es gibt nichts, was diesen Artikel einschränken könnte. Daraus folgt, wenn das Verfassungsgericht erlaubt, Menschen einzusperren, dann sehen die höchsten Richter es offenbar nicht als Angriff auf die Würde.
Gleichwohl bin ich wie du dafür, auch Gefangene unter Beachtung Art 1 GG zu behandeln.
> Es ist immernoch ein Mensch. Wie lange und wie intensiv willst du ihn
> dafür abstrafen?
Exakt so lange, wie es das Gericht entschieden hat. Wofür gibt es in einem Rechtsstaat Gerichte, Richter und Urteile?
> Ich denke, das ist etwas, was man auch einem verurteilten Mörder gönnen
> darf, einen gelegentlichen Besuch bei der alten Mutter.
Um den Kontakt zu Verwandten oder Freunden aufrecht zu erhalten gibt es im Gefängnis Besuchsmöglichkeiten. Warum soll der Mörder die Mutter zuhause besuchen können? Sie kann ihren Sohn in der Haftanstalt besuchen.
> Und halten wir mal fest, dass er zwar in einen Unfall verwickelt war, aber
> niemanden böswillig einen Schaden zugefügt hat. Wäre der Unfall nicht,
> müsste man eingestehen, es ist nichts Schlimmes passiert.
Hätte man ihn laufen lassen sollen, wenn kein Unfall passiert wäre? Wohl nicht! Davon abgesehen, es stimmt nicht, dass nichts Schlimmes passiert ist. Der Gefangene hat sich der Haft entzogen. Das ist etwas Schlimmes. Gleichbedeutend mit einem Ausbruch aus dem Gefängnis. Ich würde das nicht als Lappalie abtun. Oder es vielleicht sogar als "sein gutes Recht" ansehen.
> Ich beurteile es als Errungenschaft unserer Nation, dass wir lieber der
> Menschlichkeit und der Menschenwürde den Vorzug geben, als uns von
> ständiger Angst vor möglichen Fehleinschätzungen binden lassen und
> lieber einen totalitären und fehlerfreien (?) Staat schaffen.
Grundsätzlich stimme ich zu, aber alles hat Grenzen. Auch Menschlichkeit. Und wie Menschenwürde, wie bereits geschrieben, wird in diesem Fall hier gar nicht berührt.
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