verfaßt von Timbatuku, 28.03.2026, 09:57:40
> Die Wurzel des sog. Ehegattensplitting ist
> ja die 1934 vom NS-Regime eingeführte Zusammenveranlagung von Ehepaaren,
> um Frauen vom Arbeitsmarkt in die Rolle als Hausfrau zu drängen.
Es ist zwar "en vogue", die Nazis für alles mögliche verantwortlich zu machen, aber diese Aussage ist nicht so ganz zutreffend. Das Ehegattensplitting (die steuerliche Zusammenveranlagung von Ehepaaren) wurde schon 1891 mit dem preußischen Einkommensteuergesetz eingeführt. Da hieß es noch nicht so, war aber de facto dasselbe.
> Zwar funktioniert das heute steuerrechtlich anders aber der ursprüngliche
> Ansatz besteht ja im Kern weiterhin.
Mit "ursprünglichem Ansatz" meinst du, das Splitting hindert Frauen am Zutritt zum Arbeitsmarkt? Das wird ja von vielen Seiten immer wieder mal in die Diskussion geworfen, meiner Meinung nach hält das Argument aber einer Realitätsprüfung nicht stand. Richtig ist eher, dass durch die Abschaffung für manche der Verlust so hoch sein wird, dass die Frauen gezwungen werden, ganztags zu arbeiten. Arbeitszwang durch die Hintertür, so weit sind wir. Ich bin in dieser Sache eher liberal eingestellt. Jedes Paar und jede Familie sollte ihren Alltag so gestalten können, wie es ihnen gefällt. Ein Festhalten an der Zusammenveranlagung begründe ich damit, dass Eheleute rechtlich eine Erwerbs- und Wirtschaftsgemeinschaft darstellen. Ob beide Vollzeit arbeiten oder einer viel und der andere weniger oder gar nicht ist alles egal - sie wirtschaften zusammen und sollten deshalb auch zusammen besteuert werden. Unternehmen werden doch auch in Gänze besteuert und nicht jede Abteilung für sich.
> Und wie ich diese Woche beim lateralen Betrachten von Bundestags-TV
> mitbekam, ist ausgerechnet Die Linke gegen die Abschaffung. O tempora o
> mores
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