verfaßt von Timbatuku, 15.05.2026, 12:12:46
> Man beschließt aber keine generelle Forderung, bestimmte Lebensmittel
> ausschließlich in "richtigen" Mehrwegverpackungen anzubieten.
> [...]
> Da braucht es in meinen Augen schon etwas Erziehung von "oben herab"
Mit dem Pfand auf Einweggetränkebehälter wurde genau das gemacht, was du anregst. Die Forderung nach Mehrwegverpackungen wurde durch etwas Erziehung von "oben herab" unterstrichen. Gut 20 Jahre ist das nun her und der Name Jürgen Trittin ist eng damit verbunden. Die Hersteller gingen auf die Barrikaden, was aber die Einführung des Gesetzes nicht verhindern konnte. Was hat es gebracht? So viel ich weiß, gibt es heute noch mehr Einweggetränkebehälter als damals. Die Verbraucher haben sich an das Pfand gewöhnt und kaufen mehr Einweg als je zuvor. Ein immenser Aufwand ohne wirklichen Nutzen.
Anderes Beispiel: Vor noch längerer Zeit forderten die Grünen einen Benzinpreis von 5 DM, um die privaten Autofahrten zu reduzieren und die Umwelt zu schonen. Heute sind wir fast da angekommen, umgerechnet. Nicht durch Gesetz, sondern durch andere Ereignisse, die dir bekannt sein dürften. Und? Wird weniger gefahren? Stehen weniger Autos an den Zapfsäulen? Kein bisschen. Im Gegenteil.
Du siehst, etwas Erziehung von "oben herab" ist nicht so einfach, wie man es ausspricht oder aufschreibt. Mit einer Verteuerung durch Pfand oder Steuer (s. geplante Zuckersteuer) ist es nicht getan. Was möglicherweise effektiv sein könnte, wäre ein rigoroses Verbot. Ich höre schon das Geschrei "Verbotspartei". Und dann kommen die Spacken von der blauen Partei und versprechen die Rücknahme des Verbots. Und dann haben wir den Salat. Also, auch das rigorose Verbot kann mächtig in die Hose gehen.
Es braucht also keine Erziehung, sondern Überzeugung. Ein schädliches Produkt muss durch ein besseres ersetzt werden, ohne Abstriche an der Bequemlichkeit der Verbraucher vorzunehmen. Wenn der Verbraucher keinen Nachteil, sondern nur Vorteile hat, dann nutzt er ganz von alleine die Alternative.
> Seit es diese Säfte ausschließlich nur noch in Kunststoffflaschen gibt,
> kaufe ich sie nicht mehr - weil mir Getränke aus Kunststoffflaschen
> grundsätzlich nicht schmecken. Wegen mir allein werden die die
> Verpackung aber nicht umstellen....
Nein, werden sie nicht. Und würden sie es tun, bekämen sie Probleme mit der anderen Gruppe Verbraucher, die keine Glasflaschen will. Zum Beispiel kaufe ich mein Mineralwasser seit Jahren in Kunststoffflaschen (Mehrweg). Ich habe die Wahl, der Hersteller bietet sein Wasser auch in Glasflaschen an. Aber ich habe keine Lust, das schwere Glas durch die Gegend zu schleppen, auch wenn es nur wenige Meter zum und vom Auto sind. Ich sehe darin auch keine geschmackliche Beeinträchtigung. Meine Tocher, die hier um die Ecke wohnt und wo ich daher mehrmals die Woche einen kurzen Besuch abstatte, kauft dasselbe Wasser in Glasflaschen. Ich schmecke keinen Unterschied. Das deckt sich auch mit Geschmackstests zu dieser Frage. Leute, deren Geschmackssensoren vermutlich besser ausgeprägt sind als meine (sonst würden die ja nicht für so einen Test angeheuert), konnten keinen Plastikgeschmack wahrnehmen. Vor Jahren war das anders, das stimmt. Heute nicht mehr. Aber in den Köpfen vieler Menschen sitzt das noch drin. Ist wie mit Phantomschmerzen nach einer Amputation. Das Bein, das gar nicht mehr da ist, tut weh.
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