verfaßt von Pixel64
, Leonberg, 31.05.2026, 11:35:45
> Die Börsen kenne ja gerade nur einen Weg: Nach oben.
> Demzufolge sind auch alle meine ETFs satt im Plus. Der "MSCI Global
> Semiconductors" über 100% seit Kauf vor ein paar Monaten. Allein seit
> gestern 2,5%.
> Langsam mache ich mir Gedanken darüber, wie das weitergehen soll. Ständig
> im Plus kann ja nicht ewig so gehen. Gerade in unserer volatilen Welt und
> Zeit. Da kann ein Post auf Truth Social mal schnell die Börsen in den
> Sinkflug bringen. Hatten wir alles in letzter Zeit.
> Deshalb hier mal die Frage: Sichert ihr eure Aktien/Fonds/ETFs.... ab? Wenn
> ja: wie? Also man kann im Depot ja eine Verkaufsschwelle angeben. Habe ich
> noch nie gemacht. Jemand Erfahrungen damit?
Ich sichere meine ETFs ehrlich gesagt gar nicht ab.
Der Grund ist recht simpel: Bei Einzelaktien kann ich den Gedanken nachvollziehen. Wenn ich nur auf ein Unternehmen setze und dort etwas schiefläuft, kann der Kurs dauerhaft abstürzen. Bei einem breit gestreuten ETF ist die Situation aber eine andere.
Mein Depot besteht aktuell aus einem klassischen 70/30-Sparplan mit dem HSBC MSCI World und dem Xtrackers MSCI Emerging Markets. Damit investiere ich letztlich in mehrere tausend Unternehmen weltweit. Wenn einzelne Firmen Probleme bekommen, werden sie im Index irgendwann kleiner gewichtet oder verschwinden ganz. Erfolgreiche Unternehmen rücken nach. Genau das ist für mich der große Vorteil eines ETFs.
Natürlich können die Börsen jederzeit fallen. Das haben wir in den letzten Jahren oft genug gesehen. Ein politischer Konflikt, Zölle, ein schlechter Tweet oder Truth-Social-Post, eine Bankenkrise oder sonst irgendein Ereignis reicht oft schon für zweistellige Rückgänge.
Bei einem ETF wie dem MSCI Global Semiconductors sehe ich die Sache etwas anders. Das ist zwar ebenfalls ein ETF, aber eben ein Sektor-ETF. Man setzt damit im Wesentlichen auf eine einzige Branche (Halbleiter). Wenn Halbleiter und KI weiter boomen, kann das hervorragend laufen. Wenn die Branche aber unter Druck gerät, fallen oft fast alle enthaltenen Unternehmen gleichzeitig. Deshalb wundern mich die über 100 % Plus dort nicht, aber genau dort wären starke Rücksetzer für mich auch deutlich wahrscheinlicher als bei einem MSCI World.
Meine persönliche Absicherung besteht daher nicht aus Stop-Loss oder irgendwelchen Derivaten.
Wenn der MSCI World morgen 30 % fällt, freue ich mich als Sparplan-Anleger sogar ein Stück weit darüber, weil ich für die gleiche Sparrate mehr Anteile bekomme. Ärgerlich wäre das nur, wenn ich das Geld nächste Woche benötigen würde.
Die eigentliche Frage ist deshalb aus meiner Sicht nicht, wie man einen ETF absichert, sondern ob man mit den zwischenzeitlichen Schwankungen leben kann. Wer das kann und einen Anlagehorizont von 10, 15 oder 20 Jahren hat, braucht meiner Meinung nach bei breit gestreuten ETFs meist keine zusätzliche Absicherung.
Und abschließend: natürlich kannst du mit mehreren ETF auf den Semiconductors abfedern. Das sollte kein Diss gegen diesen speziellen ETF sein. Andere Strategie eben.
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